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FalterReport

(c) für alle Texte: Der Falter, 36341 Lauterbach

 

Risikominimierung durch Ersatzbrunnen nicht gewährleistet

Hochinformative Ansprache an der Dannenröder Mahnwache zu den neuesten Entwicklungen bezüglich des Dannenröder Forstes

Von Falter


Physische Distanz und informative Dichte beim Treffen in Dannenrod. Bild: Falter.

„Der Kampfgeist ist ungebrochen!“ Mit diesen Worten begrüßte Barbara Schlemmer, Abgeordnete der Grünen im Homberger Stadtparlament, die etwa 70 Besucher an der Dannenröder Mahnwache, bevor sie vom Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes in Leipzig berichtete, das am 23. Juni gefällt worden war. „Inhaltlich gewonnen, jedoch formal verloren“, so fasste Schlemmer die Aussage der Richter*innen zusammen und fügte mit leicht sarkastischem Unterton hinzu, dass der Senat sein  eigenes Urteil von 2014 nicht aufheben wollte. Selbst auf der Homepage des Bundesverwaltungsgerichtes gebe man zu, dass die A49 heute keinesfalls mehr genehmigt würde, zumal die Wasserrahmenrichtlinie nicht geprüft worden sei, ein glatter Verstoß gegen die EU-Richtlinien. Gegen Deutschland laufen laut Schlemmer bereits mehrere Verfahren wegen ähnlicher Verstöße, „ein Skandal“, wie Schlemmer unter Applaus betonte.
Ein Grund für die Sturheit des Bundesverwaltungsgericht sei die so genannte „Rechtskraftbindung“, ursprünglich eingeführt, um Willkür zu verhindert (https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BVerfGE+2%2C+380) . Ein gefälltes Urteil solle nicht ohne Weiteres außer Kraft gesetzt werden können, so auch hier. Aber, setzte die Abgeordnete fort, wie komme es dann, dass unser Bundesverkehrsminister, Andreas Scheuer, völlig problemlos eben diese Rechtskraftbindung breche, zum Beispiel wenn es um höhere Strafen für Raser in Innenstädten und dann deren Rücknahme gehe?
Ein Vergleichsangebot mit dem BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) sei nicht zustande gekommen, was jedoch noch lange nicht aller Tage Abend sei. Schlemmer Verwies auf Auflagen an den Bau der Autobahn, das Wasserrecht müsse nachjustiert werden, was Anlass zur Hoffnung gebe, dass der Dannenröder Wald länger als geplant am Leben bleiben dürfe.
Immerhin habe der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir ein Wassergutachten gefordert, doch hätten die CDU sowie die SPD nicht einmal dies akzeptiert. Schlemmer liegen solche Gutachten vor, die dazu geführt hatten, dass Autobahnen nicht gebaut werden durften.

Trinkwasser-Ersatzversorgung: teuer und mangelhaft

„Ebenfalls interessant“ findet Schlemmer, dass seit 2014 zwei weitere Planfeststellungsverfahren an der Öffentlichkeit vorbeilanciert worden seien. Sie berichtete an dieser Stelle von einem Prozess den zwei Landwirte geführt hätten, die mit einer Enteignung nicht einverstanden gewesen seien. Schlemmer verwies auf die Aarhus-Konvention (https://www.bmu.de/themen/bildung-beteiligung/umweltinformation/aarhus-konvention), welche vorschreibe, dass Baumaßnahmen unter der Beteiligung der Öffentlichkeit durchgeführt werden müssten.
Die Äcker der beiden Landwirte seien für Ausgleichsmaßnahmen, so genannte CEF-Maßnahmen (https://tgp-la.de/projektpdfs/Artenschutz_Hermanns_070305.pdf), wichtig gewesen. Da die Landwirte ihr Land behalten durften, hätten diese Maßnahmen noch nicht durchgeführt werden können – wobei der Bau der Autobahn ohne diese Maßnahmen nicht stattfinden könne.
Nachdem Schlemmer auf weitere Veranstaltungen einging, wie eine Demonstration in Marburg, an der unter Anderem Fridays for Future und Greenpeace beteiligt gewesen seien, nannte sie noch einige Zahlen, die den Zuhörern die Tränen in die Augen treiben konnten. So kosteten Ersatzbohrungen, um den baubedingten Ausfall der Trinkwasserförderung zu sichern, zwischen 800 000 Euro und 1,2 Millionen Euro pro Brunnen, finanziert auf Umwegen durch den Steuerzahler, die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) hingegen müsse zehn Ersatz-Unterwasserpumpen finanzieren, um die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Allerdings, so betonte Schlemmer, sei bislang noch nichts geschehen, um das Risiko, das abgeschaltete Brunnen mit sich brächten, zu minimieren. Ein wahrer Ökozid könne die Folge sein, mit vergifteten Brunnen und Wasserknappheit.
Allerdings geben sich die Beteiligten nicht geschlagen: „Wir werden uns neu justieren.“, so Schlemmer, „Wer meint, wir wären besiegt, hat sich geirrt!“
Kräftiger Applaus bestätigte Ihr Schlusswort.

Ausgleich für 200-jährige Wälder nicht möglich

Wolfgang Dennhöfer, Kreisverbandsvorsitzender des BUND, bedauert das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes sehr. „Mit uns haben viele Leute verloren, die uns zugearbeitet haben.“, stellte er fest, der Hauptgeschädigte sei jedoch „Der Wald da drüben“. „Wichtig ist, dass wir jetzt alle weitermachen, denn Wälder, die 200 Jahre alt sind, können durch Ausgleichsmaßnahmen nicht ersetzt werden!“, betonte er. Dennhöfer hofft darauf, dass „Danni“ als Einstieg in eine vernünftige Verkehrswende dienen möge. Hierbei gehe es nicht um Formfehler, sondern um wichtigere Entscheidungen. „Wie die Irren rasen wir auf eine Katastrophe zu. In einer solchen Situation geht es dann nicht mehr darum, in der Sackgasse ein bisschen weiter rechts oder links zu fahren, vielmehr muss man Lenkrad und Bremse richtig bedienen.“ Das Gericht habe gewackelt, doch sei es leider zur falschen Seite gekippt. Dies bedauert Dennhöfer, denn ein besseres Urteil hätte dazu geführt, dass die Verantwortlichen mit eher wenig Gesichtsverlust aus der Sache ausgestiegen wären. Aber, so Dennhöfer, man habe sich wohl für den größeren Gesichtsverlust entschieden.
Inzwischen gebe es zahlreiche Gruppen, die die Freunde des Dannenröder Waldes unterstützten, Presseanfragen auf Bundesebene erreichten ihn, sein Spruch vom „Planungsdinosaurier“ sei nun in aller Munde und bundesweit in den Zeitungen zu lesen.
Zudem ist ein Forderungskatalog an Tarek Al Wazir in Arbeit, der an alle Interessierten zur Unterschrift gesendet werden wird. Gerade Al Wazir möge als grüner Minister ein solches Umweltdesaster nicht unterstützen, worum ihn gerne weitere Naturfreunde brieflich bitten könnten.

Auch die Aktivist*innen meldeten sich zu Wort. Gemeinsame Slogans und Demogesänge wurden verkündet, bevor ein Aktivist kurz aus dem Alltagsgeschehen im Wald berichtete. Nicht nur der BUND, auch gewisse Raupen prozessieren derzeit, letztere jedoch mit Vorliebe in Eichenkronen, die auch für Baumhäuser sehr beliebt sind. Man wünscht sich unter anderem ein Medikament, um den Juckreiz zu lindern.
Zudem sind weitere Informationsgespräche mit Waldexperten angedacht, sodass das Grundwissen über unsere Wälder und über unsere Umwelt auch unter dem Dannenröder Blätterdach niemals einrosten möge.

Protestsongs von Broder Braumöller und sehr stimmungsvolle Klänge eines Hang-Spielers rundeten die Veranstaltung ab, bevor sie offiziell beendet wurde und die Anwesenden sich auf privaten Spaziergängen im Wald austauschen konnten.

 

 

 

 

 

 

 

„Was für ein Betonwahnsinn“ –

Schulze-Gockel informiert über die neuesten Entwicklungen zum geplanten Bau der A49

Vom Falter, 07.06.2020

 


Christoph Schulze-Gockel, der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Gleental äußert sich
mehr als kritisch zu den Plänen der DEGES. Bild: Falter.

„Was für ein Betonwahnsinn“ war der erste Eindruck, den Christoph Schulze-Gockel, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Gleental, von der Visualisierung der A49 hatte, wie ihn die DEGES in ihrer virtuellen Ausstellung zeigte. Bereits die Kosten können dem Staatsbürger die Zornesröte ins Gesicht treiben: Ausgehend von 500 Millionen muss man inzwischen mit anderthalb Milliarden Euro an Steuergeldern rechnen, die von der „Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH“ (DEGES) hier in Beton gegossen werden sollen.

Schulze-Gockel, der die etwa 60 Anwesenden und sieben Polizisten in drei Streifenwagen zur sonntäglichen Demonstration an der Dannenröder Mahnwache begrüßte, hatte eigentlich gehofft, eine positivere Rede halten zu können, wenn unsere Politiker aus der Corona-Krise etwas gelernt hätten. Schließlich dürfe es  doch kein Zurück in eine Normalität geben, die noch nie normal gewesen sei.

Barbara Schlemmer, Abgeordnete der Grünen im Homberger Stadtparlament, informierte über den Verkehrswegeplan, und fand auch hier einiges an „Betonwahnsinn“: Geplant sei ein Ausbau der B3 zu einer vierspurigen Straße, die B49 soll ebenfalls eine vierte Spur bekommen, wohingegen die A5 sechs Spuren erhalten soll. Schlemmer zufolge entbehren diese Pläne jeder Logik, sollten doch gerade diese Straßen entlastet werden. Warum dann ein Ausbau? Und macht dies die Straßen leiser? Schlemmers Schlussfolgerung: „Es gibt keine Entlastung durch die A49!“, eine solche sei nie geplant gewesen! An dieser Stelle findet Schlemmer sehr deutliche Worte, die sie an die Verantwortlichen richtet, wobei sie auch Wirtschaftsminister Tarek al Wazir nicht ausschließt.

Allerdings, so Schlemmer, „lassen wir uns von den Hochglanzprospekten der DEGES überhaupt nicht an der Nase herumführen.“ Eine Gegenausstellung sei geplant, Aktionstage werden durchgeführt. Vor allem aber, so Schlemmer, werde Greenpeace eine Reportage über den Dannenröder Wald erstellen, die in den entsprechenden Medien veröffentlicht und somit deutschlandweit für Aufsehen sorgen werde. Am Freitag, dem 19. Juni sei eine Fahrrad- und Traktorendemonstration angedacht, Näheres werde noch bekanntgegeben.

Die mündliche Verhandlung im Bundesverwaltungsgericht über die Klage des BUND-Landesverbandes findet am Dienstag, dem 23.06. in Leipzig statt. Hier wird Greenpeace zugegen sein, zusammen mit anderen Umweltschutzverbänden sowie Vertretern aus Dannenrod und Umgebung. Unter anderem wird vor dem Gerichtsgebäude eine Mahnwache stattfinden,  nähere Informationen werden unter anderem der Homepage der Gießener Grünen zu entnehmen sein.

Bevor die Versammlung offiziell für beendet erklärt wurde, meldete sich ein Aktivist zu Wort. Die Coronakrise, so der Vertreter des Waldes, habe gezeigt, dass der Staat durchaus fähig sei, weitreichende Maßnahmen in kürzester Zeit zu ergreifen. Warum, so wollte der Aktivist wissen, ist unsere Regierung nicht dazu fähig, wenn es um die Klimakrise, um den Umweltschutz gehe?

Wer dem Wald und seinen Beschützern helfen möchte, kann durch Spenden dazu beitragen. Der Aktivist wies jedoch ausdrücklich darauf hin, dass nichts Gekauftes darunter sein solle, vielmehr suche man Dinge, die nicht mehr gebraucht würden und in Schuppen und Scheunen vor sich hin staubten. So seien die Waldbesetzer froh über Fenster, Baumaterial, Gartenhäuschen – bei der Demontage böten sie Hilfe an. Da derzeit viel Büro- und Pressearbeit anfiele, suche man noch Menschen, die zeitweise einen Schreibtisch bzw. Internetzugang zur Verfügung stellen könnten. Auch brauche man Powerbanks und USB-Sticks.  Aber nicht alle Wünsche sind so groß: Neben Hängematten und Türklinken würden auch Töpfe, T-Shirts Socken und Kondome benötigt, letztere natürlich nicht gebraucht, wie ein Besucher augenzwinkernd bemerkte.
Im Gegenzug bieten die Aktivisten an, bei Computerproblemen zu helfen, die nötigen Experten haben sie in ihren Reihen.

Unter den wachsamen Augen der Gesetzeshüter nutzten die Anwesenden den Nachmittag noch für Diskussionen, Gespräche und Spaziergänge durch den Dannenröder Forst.

 

* * * * *

 

Gift im Dannenröder Wald 

Deges übt „Naturschutz“ mit Mäusegift

Informativer Spaziergang mit dem NABU und Aktivist*innen im Anschluss an die solidarische Versammlung bei der Dannenröder Mahnwache

von Falter

25.05.2020


Endlich wieder Danni. Bild: Falter

„Endlich können wir wieder ‚rausgehen“ freut sich Karl-Heinz Zobich vom NABU-Kreisverband, der im Rahmen eines Spaziergangs durch den Dannenröder Wald über den Stand der dortigen DEGES-Ausgleichsmaßnahmen informiert. Die meisten der etwa 80 an der Mahnwache erschienenen Demonstranten wollen nach der Auflösung des Treffens noch nicht gleich nach Hause gehen und nutzen den Tag, um Zobich und einige der zahlreichen Aktivist*innen zu begleiten.
Im Vorfeld hatte Zobich klargestellt, dass es wirkliche Ausgleichsmaßnahmen für einen Wald wie „Danni“ nicht geben könne. Was kaputt gemacht werde, könne nicht so ohne weiteres ersetzt werden. 

Die erste Station des Spazierganges führt zu einer Lichtung, die ausnahmsweise nicht der Deges, sondern dem Klimawandel ihre Existenz verdankt. Buchen, denen man den Schatten nimmt, leiden unter Sonnenbrand und sind auf Dauer dem Tod geweiht. Zobich zeigt die Symptome anhand betroffener Bäume und erläutert, dass man zuweilen den Eindruck haben könne, ein Baum erhole sich wieder. Der Schein trüge jedoch, so Zobich, denn im Gegensatz zur vom Borkenkäfer befallenen Fichte sterbe die Buche nicht innerhalb eines Sommers einen plötzlichen Tod sondern gehe, wenn sie nicht genug Blätter habe, langsam zu Grunde. 
Was die Sache nicht besser mache, sei eine Landesregierung, die die Forstämter unter Druck setze und von Hessen-Forst Erträge erwarte. Nicht jeder Förster habe den Schneid, wenigstens zu versuchen, unnötige Fällungen zu vermeiden.
Zobich hebt hervor, dass gerade die Naturverjüngung wichtig sei; nicht der Mensch, sondern die Natur solle die Samen verbreiten, sei es durch Wind, durch Tiere oder auf andere, natürliche Weise. Bäume aus der Baumschule, wie sie die Deges an zahlreichen Stellen als „Ausgleichsmaßnahme“ hat pflanzen lassen, gingen nicht immer an und müssten sich an den Waldboden erst gewöhnen.


Die Wohnung der Molche. Bild: Falter


Nach einem kurzen Exkurs über Totholz als als unverzichtbaren Nahrungsspeicher stehen die Spaziergänger vor einem Kleinstgewässer und staunen. Molche haben sich hier angesiedelt, doch auch für die Gelbbauchunke sind Kleinstgewässer, gerade wenn sie regelmäßig austrocknen, wichtige Lebensräume. Durch das Austrocknen sterben Fressfeinde und der Laich überlebt, erklärt Zobich. Tümpel, wie ihn die Deges einige hundert Meter weiter angelegt hat, seien nicht schlecht und würden von Fröschen und Erdkröten auch gut angenommen (in der Tat wimmelt der Tümpel von Kaulquappen), doch helfen sie gerade seltenen Arten wie der Gelbbauchunke nicht weiter. Die Nähe des Tümpels zur zukünftigen Autobahn werfe ebenfalls Fragen auf. Kröten wandern, soviel ist bekannt, was also, wenn die Wanderstrecke über die Autobahn führe? In diesem Fall spreche man von einer „ökologischen Falle“, ein solcher Teich sei zwecklos.


Karl-Heinz Zobich erklärt den Wald. Bild: Falter

Zudem brauchten die Lurche möglichst schnell erwärmtes Wasser, ein Teich im Wald, der bald von Bäumen überschattet sei, sei zu kalt für den Laich. Einer der Aktivisten verweist auf eine natürliche Quelle bei einer Wüstung ganz in der Nähe, die auf dem Rückweg bewundert werden kann. Auch ein alter Brennofen mit Scherben ist hier zu sehen, allerdings braucht man das geübte Auge eines Archäologen – oder eben eines Menschen, der im Wald lebt.

Schließlich kommt die Truppe zum eigentlichen Ziel der Exkursion. Etwa 200 Meter von der Autobahn entfernt steht eine Plantage kleiner Eichen, an Bambusstäbe gebunden, frisch aus der Baumschule, von Verbissschutz umhüllt. Letzterer scheint dem Rehwild nicht immer ein Hindernis zu sein, die Umhüllung ist schnell nach oben geschoben, viele Bäumchen trotz des Schutzes verbissen oder tot, anderen geht es hingegen recht gut. Soweit, so Forst.


Diese Box enthält den Tod. Bild: Falter

Der Stein des Anstoßes ist eine Plastikrolle, an einen Pfahl gebunden. Ihr Zweck erschließt sich dem Waldbewohner nicht ohne weiteres, dem Stadtmenschen kommt sie hingegen bekannt vor: Erinnert sie nicht an die Köderboxen gegen Ratten, wie sie an der Lauter liegen? Der entsetzte Stadtmensch sollte Recht behalten. Diese komischen Fässer enthalten Gift, das die Waldmäuse innerlich verbluten lässt. Waldmäuse, Brandmäuse, Langschwanz- und Kurzschwanzmäuse, Wühlmäuse… Was hat die Deges gegen diese putzigen Tierchen?
Vor Mäusen fürchten sich nicht nur hysterische Tanten, sondern, zu Recht, auch Forstwirte, denn Mäuse knabbern gerne auch an Wurzeln und lieben die süße Rinde junger Bäume, die sie locker auch im Kreis um den Baum abnagen. Man sagt dann, die Maus „ringelt“ den Baum. Ein solcher Baum kann keine Nährstoffe mehr aufnehmen und stirbt. Also: Weg mit der Maus?

Eine Frage an Eule, Fuchs und Mäusebussard: Können Sie sich einen Wald ohne Mäuse vorstellen? „Nein“, würden diese Tiere antworten, „das können wir nicht. Wir sind auf Mäuse angewiesen“. Was also, wenn die Beute dieser Tiere vergiftet ist?


Historische Scherbe, gefunden bei einem alten Brennofen. Bild: Falter

Laut Zobich verkriechen sterbende Mäuse sich, sodass Greifvögel sie nicht fressen und selber das Gift aufnehmen können. Dem kann allerdings widersprochen werden: Vergiftete Ratten schaffen es nicht immer rechtzeitig nach Hause und liegen zitternd vor Häusern, in Hinterhöfen, ihr Tod ist qualvoll, wie im Umkreis der Lauter immer wieder beobachtet werden kann. Wer also schützt den Fuchs vor dem Gift? Ist die Fähe außer Gefahr, die doch die Mäuse braucht, um ihrem Geheck Futter zuzutragen? Hier darf man geteilter Meinung sein. Die Website der Verbraucherberatung „Chip“ meint hierzu:  „Mäusegift ist eine recht brutale Art, gegen Mäuse vorzugehen. Die Tiere verenden qualvoll. Zudem wird das Gift nur schwer abgebaut. Für natürliche Fressfeinde der Mäuse, wie etwa Raubvögel oder Füchse, stellt das Gift daher eine Gefahr dar. Fressen sie eine vergiftete Maus, vergiften sie sich dabei selbst.“ Füchse werden im Danni nicht bejagt, weil sie nützliche Mäusejäger sind. Sollen sie jetzt zusammen mit ihrer Beute vergiftet werden?


Natürliche Quelle im Dannenröder Wald. Bild: Falter

Ob die Deges weiß, dass sie hier den Teufel mit dem Beelzebub austreibt? Weiß die Deges, welche schlimmen Folgen das Verschwinden einer Tierart für ein Ökosystem haben kann?
Wohl kaum, plant diese Firma doch, gleich das ganze Ökosystem zu gefährden, inclusive der Grundwasservorräte, wie bereits berichtet wurde.

 

Quellen:
 - Karl-Heinz Zobich s.o.
- https://www.chip.de/artikel/maeusegift-ist-das-wirklich-legal_121795  25.05.20 18:54.

 

 

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Trinkwasservorräte höchst gefährdet

Wanderung mit  Vertretern der Schutzgemeinschaft
Deutscher Wald durch den Dannenröder Forst

von Falter

08.03.2020

 


Karl-Heinz Zulauf, der „Förster von Nebenan“  informierte über die Zweckmäßigkeit von
Ausgleichsmaßnahmen im Dannenröder Wald. Bild: Falter

 

Für viele sind sie schon zu einem Sonntagsspaziergang der besonderen Art geworden, die solidarischen Wanderungen von der Mahnwache durch den Dannenröder Forst zu den Baumhäusern der Aktivisten. So auch an diesem Sonntag, als Wolfgang Dennhöfer (BUND) die ca. 50 Anwesenden  begrüßte, ebenso  Vertreter der  Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, die auf Waldschäden, zu befürchtende Konsequenzen der Autobahn sowie unzureichende und unmögliche Ausgleichsmaßnahmen aufmerksam machten.

Nachdem die offizielle Veranstaltung an der Mahnwache wie üblich aufgelöst worden war, wanderten die Interessieren zunächst zum nächsten Kahlschlag, der so nicht geplant war. Warum die Lichtung, an der kurz gestoppt wurde, aussah wie ein Szenario aus einem Endzeitfilm erklärte Karl-Heinz  Zulauf,  der „Förster von nebenan“, wie er sich selbst gerne bezeichnet, genauer gesagt: von Kirtorf.  Zwei Stürme, so Zulauf, seien durch dieses Waldstück geprescht und hätten den Fichten den Garaus gemacht, nach der guten Vorarbeit von Trockenheit und Borkenkäfer ein Kinderspiel.  Der zuständige Förster habe einzelne Bäume stehen gelassen, damit sie wieder aussamen konnten, doch auch diese habe der letzte Sturm beiseite gefegt. Nun stehen noch einzelne Kiefern und überwiegend Douglasien, die dem Klima standhaft trotzen.
Kritisch ging Zulauf mit „Ausgleichsmaßnahmen“ ins Gericht: „Eigentlich müsste man irgendwo den Asphalt aufreißen, wenn man woanders den Boden versiegelt“, erklärte er. Die sei jedoch nicht der Fall. Stattdessen habe man ein künstliches Feuchtgebiet angelegt und eine Wildbrücke geplant, die mit einem künstlichen Wasserlauf bestückt sei – laut Zulauf nicht sehr sinnvoll in Zeiten immer trockenerer Sommer.  Für eher kosmetische  Handlungen hält  Zulauf Bionistkästen, hier würde Geld verbraten, um die Ausgleichsmaßnahmen teuer und salonfähig zu machen.

Explosives Grundwasser

„Wir müssen immer damit rechnen, dass die Gerichte vernünftig urteilen.“, freute sich hingegen Wolfgang Dennhöfer und verwies auf einen Präzedenzfall, bei dem das Wasserrecht ein ähnliches Unterfangen wie die A49 verhinderte.   Dann geht es weiter: „Wir stehen auf Buntsandstein, darunter liegen Trinkwasservorräte für eine halbe Million Menschen, sowohl im Vogelsberg, als auch im Rhein-Main-Gebiet“.  Soweit, so gut.
Mit immer noch freundlichem Lächeln und trügerisch säuselndem Tonfall erläuterte er schließlich Gegebenheiten, angetan sind, auch dem Abgebrühtesten unter den Zuhörern eine Gänsehaut zu verpassen. Im zweiten Weltkrieg, so führte er aus, seien Rüstungsaltlasten ins Grundwasser geraten. TNT, jedem bekannt durch jene roten Stangen, mit denen Kojote Karl den Road Runner in die Luft zu jagen pflegte, TNT also, sei als Chemikalie eine ölige Flüssigkeit, leichter als Wasser, und im zweiten Weltkrieg ein beliebter Sprengstoff gewesen.  Trinitrotoluol, wie das Teufelszeug ausgesprochen heißt,  schwebe bis heute in Form einer „Giftblase“ in einigen Gegenden auf dem Grundwasser. Strömungsverhältnisse hielten es in Schach, sorgten dafür, dass das Gift nicht ins Trinkwasser geriete. Bei der kleinsten Störung sei das Wasser für Vogelsberg und Frankfurt  vergiftet,  wobei noch nicht gesagt sei, in welcher Form das Gift zusätzlich an die Oberfläche käme.

Hier meldete sich Reinhard Forst aus Stadtallendorf zu Wort, von der 1978 gegründeten Aktionsgemeinschaft Schutz des Ohmtals. Pilze und Bäume, sagt er, formten eine Symbiose. Straßenbauarbeiten, die den Wasserhaushalt durcheinander bringen, könnten auf diesem Wege langfristig neben dem Trinkwasser auch unsere Nahrungskette vergiften.
Er verwies auf den Dannenröder Appell, in dem unter anderem Alternativen zur A49 aufgeführt sind, die unter anderem durch ein Flora-Fauna-Habitat-Gebiet im Herrenwald führen solle, was gegen das Gesetz sei. Leider macht ein Gummiparagraph diese Naturzerstörung möglich: Das „öffentliche Interesse“ ist ein dehnbarer Begriff.

Zum Abschluss wurde es wieder etwas heiterer. Bei den Baumhäusern gab es ein herzliches Wiedersehen mit (vegan belegtem) Brot und Rosen(blättern), musikalisch untermalt von Anja Kraus, die an den internationalen Frauentag erinnerte.

Den Dannenröder Appell finden Sie unter https://cdn.website-editor.net/a121c282bd29435984d17f58f604c305/files/uploaded/Dannenr%25C3%25B6derAppell-2019-12-22-Stand-2020-01-23.pdf